Thema Monatsgruß 06 07 | 2026
Auf der Schwelle in den Ruhestand
Persönliche Gedanken von Pfarrer Thomas Bovenschen
Lange erschien er in weiter Ferne. Nun aber rückt er täglich näher und die Unruhe wird immer größer. Was bewegt mich mit Blick auf den Wechsel in den Ruhestand?
Da ist zunächst die Widersprüchlichkeit. Ein Abschied schafft Raum und Zeit für Neues. Aber er ist auch ein Loslassen mit dem tiefen Bewusstsein, dass man viel Wertvolles zurücklässt. Entsprechend zweigeteilt sind meine Gedanken und Gefühle, mit denen dreizehn Jahre Pfarrdienst in Lindau und vierzig Jahre Tätigkeit als Pfarrer unserer Landeskirche in einigen Wochen zu Ende gehen. Es ist der Abschluss der letzten Station im Pfarrdienst, nach dem Vikariat in Augsburg-Pfersee, der Phase als Pfarrer zur Anstellung in München-Laim, den zweiundzwanzig Jahren Pfarrdienst in Augsburg-Hochzoll und schließlich der gemeinsamen Zeit in Lindau.
Was hat mich über all diese Jahre geleitet? Allem voran sicher der Wunsch, dass möglichst viele Menschen die Einzigartigkeit der Botschaft Jesu entdecken und die Beziehung mit Ihm zur tragenden Kraft und Hoffnung ihres Lebens wird. Damit verbindet sich für mich die inspirierende Erfahrung der Gemeinschaft einer lebendigen Gemeinde vor Ort. Meinen Vorbildern aus der Schul- und Studienzeit verdanke ich das Verständnis, die Gemeinde immer auch als Raum des Wirkens des Heiligen Geistes und als Ort gelebter Gnade im menschlichen Miteinander zu verstehen. Schließlich war mir stets wichtig, dass Gemeinde vor allem vom Zusammenspiel der Ehrenamtlichen mit all ihren Begabungen lebt und die Hauptamtlichen dabei vor allem eine unterstützende Rolle wahrnehmen.
Mit dem Loslassen der Verantwortung für eine Kirchengemeinde stellt sich natürlich die Frage, was einem gelungen ist. Ich kann mit Dankbarkeit sagen, dass es für mich während der Jahre meines Dienstes als Gemeindepfarrer von St. Stephan-Christuskirche viele Highlights gab. Es gab aber auch große Herausforderungen, mit denen ich in dieser Weise vorher nicht gerechnet hatte. Ganz sicher bin ich auch so manches schuldig geblieben, was meist zu Recht von mir erwartet wurde. Dabei denke ich zum Beispiel an mehr Hausbesuche, ausreichende Zeit für persönliche Gespräche und nach wie vor ungelöste Fragen im Bereich der Konzeption und Verwaltung.
Als besonders herausfordernd habe ich die Auswirkungen des Zusammenschlusses der beiden ursprünglich selbstständigen Gemeinden St. Stephan und Christuskirche mit den recht unterschiedlichen Funktionen der beiden Kirchengebäude erlebt. Die Planung und der Bau eines sehr ambitionierten Kirchlichen Zentrums neben der Christuskirche mit drei verschiedenen Nutzungsbereichen war davon geprägt, dass sehr viele Beteiligte mitgeredet haben und die Interessen der eigenen Kirchengemeinde mitunter hintenangestellt werden mussten. Der Aufbau einer eigenen Kirchengemeinde für die junge Generation in Rechtsträgerschaft des Dekanatsbezirkes verband sich mit der Frage, wie die Verbindungen zu den Ortsgemeinden und das Miteinander der Generationen erhalten werden kann. Im Rückblick bin ist sehr froh, dass angesichts all der Sitzungen, Klärungsprozesse und Verwaltungsvorgänge noch Kraft und Zeit für die eigentliche Gemeindearbeit blieb.
Fragt man, woran das lag, so stehen mir vor allem die vielen Weggenossen vor Augen, die mit viel Hingabe und als Ausdruck ihres Glaubens das Zusammenleben und Zusammenwirken in unserer Gemeinde maßgeblich mitgestaltet haben. Die meisten davon taten dies ehrenamtlich. Dies mitzuerleben, hat mich oft mit großer Freude erfüllt.
Mein Dank gilt aber auch den Mitarbeiterinnen im Pfarramt, ebenso wie unserer Mesnerin und all den anderen Hauptamtlichen sowie dem Team der Kindertagesstätte. Danke auch allen, die meinen Dienst aus dem Hintergrund unterstützt haben, durch ihr Gebet wie auch durch ermutigende Rückmeldungen. Und ganz besonders wertvoll war (und ist) mir immer wieder die Rückendeckung durch meine Ehefrau Caroline. All das ist für mich ein starker und lebendiger Ausdruck der Treue und Gnade Gottes.
Als Highlight empfand ich stets die große Freiheit, mit sehr engagierten Teams neue Gottesdienst-Formate wie die Sonntage mit der Lobpreisband, die Segnungsabende oder die „Brass and Soul“- Gottesdienste entwickeln zu können. Weitere Höhepunkte waren für mich die jährlichen Tauffeste am Seeufer, die Abendreihen zu Themen des christlichen Glaubens oder die persönlichen Glaubensbekenntnisse der Jugendlichen im Konfirmationsgottesdienst. Aber auch das Zusammenwirken im Kirchenvorstand bei der gemeinsamen Leitung unserer Gemeinde, die Entwicklung unseres Leitsatzes oder der Zusammenhalt des damaligen Kirchenvorstands angesichts der Einschränkungen der Corona-Phase haben mich begeistert, ebenso wie die Abende für Mitarbeitende, bei denen so manch gute neue Idee entstanden ist. Nicht zu vergessen das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde in persönlichen Gesprächen in oft schwierigen Lebenssituationen.
Was wünscht man einer Gemeinde, aus der man sich verabschieden muss? Da fällt mir vieles ein! Vor allem aber: Den Mut zu einem klaren Profil als Ort in der Gesellschaft, an dem die Zusagen gelebt werden, die Christus seiner Gemeinde gegeben hat. Und weil das nie alleine in unserer Hand liegt, noch ein Zweites: dass St. Stephan-Christuskirche bei allen nun zunehmend notwendigen Reduktionen einen Aufbruch erleben darf, in dem Menschen von der Botschaft Jesu Christi begeistert werden.
Und wie geht es für uns persönlich weiter?
Ende August wird meine Zeit als Pfarrer in St.Stephan-Christuskirche enden. Damit verbunden, werden wir etwa zeitgleich aus dem Pfarrhaus in der Kirchgasse ausziehen. Da meine Ehefrau Caroline die nächsten beiden Schuljahre noch als Lehrerein an der Grundschule in Reutin-Zech tätig sein wird, ergibt sich für uns eine „Zwischenphase“, die ich u.a. für eine Fortbildung nutzen möchte.
Im Herzen bleibt natürlich die Begeisterung für die Botschaft Jesu und für die Gemeinschaft von Menschen, die sich mit Ihm auf den Weg machen. Die spannende Frage ist nun: wie und in welchem Rahmen wird sie sich zukünftig entfalten?
Ich bin mir sicher: Gott hält für uns alle einen guten Weg bereit!
Ich würde mich sehr freuen, mit Ihnen gemeinsam meinen Abschied zu feiern. Der Gottesdienst findet am Samstag, den 25. Juli um 14.00 Uhr in der Christuskirche statt. Im Anschluss daran geht es mit einem Empfang am oder im Kirchlichen Zentrum weiter.
Mit den besten Segenswünschen,
Ihr Thomas Bovenschen




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