Monatsgruß 08 09 10 | 2026
Angedacht
Ein Experiment: Zehn Männer und Frauen treffen sich in der kleinen Kirche, begrüßen sich, haben sich einige Wochen schon nicht mehr gesehen. Lachen, Geplauder, Wiedersehensfreude, viel zu erzählen. Da zündet eine die Osterkerze an und verteilt Teelichter: „Ab jetzt bitte kein Wort mehr. Entzündet die Kerze, setzt Euch auf einen Platz im Raum. Am Ende singen wir gemeinsam Kyrie eleison.“ Es wird ruhig, doch Bänke knarzen, wenn einer versucht, sich bequemer hinzusetzen, ein Schlüssel fällt zu Boden und es ist, als ob Hunderte von Gedanken in dem Raum sirren wie unsichtbare Insekten. Einige erschrecken: „Ich bin so randvoll mit Gedanken, Sorgen, Erlebtem, Plänen. Ich komme nicht so einfach zur Ruhe, ich fühle mich wie in einem Strudel von „immer weiter“. Andere haben ein feines Lächeln im Gesicht: „Das waren jetzt nur 10 Minuten. Es hat sich viel länger angefühlt. Meine Schultern sind runtergesackt, ich habe auf die kleine Flamme vor mir geschaut. Mich konzentriert, nicht zu heftig auszuatmen, damit sie nicht verlöscht. Eine kleine Trance war das, wie Wegfliegen auf einer Wolke.“ „Ich habe für meine beiden Sorgenkinder gebetet.“ Ein Experiment: Zehn Minuten Platz schaffen für Gott. Wie würde es bei Ihnen ausgehen?
Es grüßt Sie Pfarrerin Petra C. Harring



