Geniessen

Endlich wieder genießen. Endlich wieder sich mit Freunden treffen, auf Konzerte gehen, Auslflüge machen. Endlich geht wieder was! Die Menschen sind glücklich, wenn sie wieder ganz normal leben können. Aber so ganz unbeschwert ist das Leben gegenwärtig noch nicht. Wie oft müssen wir nachweisen, dass wir getestet sind, geimpft oder genesen.  Was kann man tun, was geht nicht? Die Zeit, in der man unbekümmert planen kann, scheint noch nicht gekommen zu sein.

 

Diese Gedanken erinnern mich an das, womit sich Kohelet, der Existenzphilosoph des Alten Testaments, beschäftigt hat. Er forscht nach sicheren Erkenntnissen, untersucht die Abläufe der Natur und das Zusammenspiel der Menschen. Schließlich kommt er zu der Erkenntnis: „Alles ist Windhauch, alles ist nichtig.“ Aber Kohelet versinkt nicht in Pessimismus, sondern ermuntert dazu, das Leben ganz elementar zu genießen: „Iss dein Brot, trink deinen Wein und sei fröhlich dabei. So hat das Gott für die Menschen vorgesehen, und so gefällt es ihm. Nimm das Leben als ein Fest: Trag immer frisch gewaschene Kleider und sprenge duftendes Öl auf dein Haar! Genieße jeden Tag mit dem Menschen, den du liebst, solange dieses flüchtige Leben dauert!“ (nach Kohelet 9, 7- 9).

Womöglich schließt uns diese Pandemie noch einmal ganz neu auf, was es heißt, Leben zu genießen.

Jörg Hellmuth, Pfarrer